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Entdecken Sie Spanien!
Burgen und Klöster, Strände und Berge - und Überraschungen in jedem Landeswinkel
Der
Aufzug stürzt hinab in den Schacht. Lichter zucken, aus den
Lautsprechern zischt und heult es, ein paar Gäste drücken sich
verängstigt gegen die Wände. Mit einem kräftigen Ruck stoppt der Lift
in Galerie 8. »Alles raus!« ruft Ángel, lacht über die Wirkung der
Special Effects und setzt hinzu: »Willkommen im Stollen, 600 m tief,
alles simuliert!« Ángel ist Kumpel in der örtlichen Kohlezeche und
führt an freien Tagen Besucher durch das Minenmuseum im asturischen El
Entrego. Die Abfahrt ins Schattenreich ist im Eintrittspreis enthalten;
im Halbdunkel schart sich das Grüppchen um den Bergmann. »Alles
gefahrlos und nachgebaut hier unten, kein Gestank und kein Schlamm wie
bei uns im Alltag und Lärm nur vom Band«, sagt er. Bedrückend eng
bleibt es trotzdem. Man duckt sich unter die niedrigen Balken der
Gänge, zwängt sich hinter Ángel durch steile Schneisen hinauf.
Unterwelt für Neueinsteiger, ein Hauch von Abenteuer
Lage
Westeuropa.
Fläche
504.782 qkm.
Bevölkerungszahl
44.351.186 (2006).
Bevölkerungsdichte
88 pro qkm.
Hauptstadt
Madrid. Einwohner: 3.146.800 (2006).
Staatsform
Parlamentarische Monarchie seit 1978. Verfassung von 1978, letzte Änderung 1992. Zweikammerparlament (Cortes Generales): Abgeordnetenhaus (Congreso de los Diputados) mit 350 Abgeordneten und Senat (Senado) mit 259 Senatoren.
Geographie
Spanien nimmt etwa vier Fünftel der Iberischen Halbinsel ein,
die außerdem Portugal, Andorra und Gibraltar umfasst. Im Nordosten
bilden die Pyrenäen eine natürliche Grenze zu Frankreich. Zum
Staatsgebiet gehören auch die südöstlich von Barcelona im Mittelmeer
gelegenen Balearen (Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera) und die
Kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas. Ceuta, Chafarinas,
Melilla und Ladu sind winzige spanische Enklaven in Nordafrika, die
Überreste des spanischen Kolonialreiches sind. Spanien ist ein sehr
gebirgiges Land und liegt im Durchschnitt 610 m ü. d. M. Die rund 400
km langen Pyrenäen erstrecken sich vom Baskenland im Nordwesten bis zum
Mittelmeer. Einige Gipfel erreichen eine Höhe von über 3000 m; der Pico
de Aneto ist mit 3404 m die höchste Erhebung. Das Landesinnere bildet
die Meseta, ein riesiges 600-800 m hohes Plateau, das durch zahlreiche
Sierras geteilt wird. Im Nordwesten und Norden wird sie durch das
Kantabrische Gebirge und das Iberische Randgebirge, im Süden durch die
Sierra Morena begrenzt. Jenseits der Sierra Morena liegt das
Guadalquivir-Tal. Die gebirgige Landschaft Galiziens befindet sich an
der stark zerklüfteten Atlantikküste. Gebirgsland füllt auch den
äußersten Süden aus; die Sierra Nevada südöstlich von Granada ist Teil
der parallel zum Mittelmeer verlaufenden Betischen Kordilleren. Sie
weist den höchsten Berg des spanischen Festlandes auf, den Mulhacén
(3481 m). Die höchste Erhebung Spaniens ist der Pico del Teide (3718
m)auf Teneriffa. Die Küsten Spaniens sind knapp 5000 km lang. Die
Mittelmeerküste reicht von der französischen Grenze bis zum Felsen von
Gibraltar. Die Straße von Gibraltar verbindet Mittelmeer und Atlantik
und trennt Spanien von Nordafrika.
Sprache
Amtssprache ist Spanisch (Kastilianisch). Katalanisch,
Galizisch und Baskisch sind regional verbreitet; in Touristengebieten
z. T. Englisch und Deutsch.
Religion
Römisch-katholisch (94%); moslemische, protestantische und jüdische Minderheiten.
Der
im Herzen Asturiens gelegene Museumsstollen von El Entrego zeigt, welch
breit gefächerte neue Wege Spanien im Tourismus beschreitet. Selbst aus
industriellem Gepräge versteht das Land Kapital zu schlagen und
Besucher damit in Bann zu ziehen. Trotz ungebremster Zugkraft all der
goldgelben Strände und einer mehrere Tausend Kilometer langen Küste ist
sich das gut 500 000 km² große España in den letzten Jahren mehr und
mehr seines ungemein facettenreichen Binnenlands bewusst geworden.
Nach
dem Motto »Spanien neu entdecken« driften Einheimische und Auswärtige
vom puren Badeaufenthalt immer öfter in sattgrüne Täler und Berge ab.
Statt Kokosölund Sangriaschwaden des Strand liegennachbarn atmet man
den würzigen Duft von Gebirgskräutern ein, genießt die ländliche Ruhe
und Idylle, durchwandert Kiefern- und Korkeichenwälder, beobachtet
Adler und Geier. Ob in Andalusien, Galicien oder Navarra: Zurück zur
Natur ist absolut trendy, was wiederum Übernachtungsangebote hat aus
dem Boden schießen lassen. Landhotels verzeichnen Rekordzuläufe, alte
Dorfhäuser und Gehöfte werden zu rustikalen Unterkünften umgebaut. Auch
Reiterferien auf dem Land sind in, Thermalhotels schwimmen auf dem Hoch
der Wellnesswelle. Darüber hinaus boomt der Abenteuertourismus mit
Höhlentrips und Canyoning und sorgt für Pioniergefühle, da die Spots
noch nicht abgegriffen sind wie andernorts. In die Reihe spanischer
Neu- und Wiederentdeckungen gehört das große Erlebnis des Mittelalters:
eine Tour auf dem Jakobsweg, dem Camino de Santiago, zum Grab des
Apostels Jakobus im galicischen Santiago de Compostela. Von den
Pyrenäenpässen Ibañeta und Somport zieht sich der Weg rund 800 km weit
gen Westen, von Klöstern, Kirchen und Burgen gesäumt. Zu den Highlights
am Weg zählen die gotischen Kathedralen von Burgos und León,
Pilgerherbergen bieten Wanderern und Radlern Unterkunft.
Über
50 Mio. Besucher pro Jahr können sich nicht irren, finden Tausende von
Zielen und Hunderte von Gründen für eine Reise nach Spanien - und
kommen mit Begeisterung wieder. España steht für einen faszinierenden
Kultur- und Landschaftsmix, für wilde Fiestas und ein lockeres Leben
mit ausschweifender Ausgeh- und Tapatradition. Stress ist für viele ein
Fremdwort, nirgendwo kommt die Pflege des Magens zu kurz. Man nimmt
sich ausgiebig Zeit für leibliche Genüsse, Gourmettrips und vino
inklusive. In der Rioja und im Duerogebiet reifen vorzügliche rote
Spitzenweine, Galicien ist für seine weißen Albariños bekannt und das
andalusische Jerez de la Frontera für seine Sherrys und Brandys.
Spaniens Zutaten stimmen - nicht nur beim Trinken und Essen. In den
südlichen Gefilden des Landes schlagen über 300 Sonnentage pro Jahr zu
Buche. Grund genug für viele, ihrer verregneten mitteleuropäischen
Heimat für immer den Rücken zu kehren und als residentes eine andere
Lebensqualität zu genießen. Allerdings sind die Zeiten des Billiglands
Spanien passé.
An den Mittelmeerküsten gilt nach wie vor:
Wer Fun will, bekommt Fun. Torremolinos, Benidorm und Lloret del Mar
zählen zu den unverwüstlichen Klassikern und bersten vor Musicbars,
Diskos und sommerlichem Highlife. Wer hierhin reist, weiß, was er will.
Gleiches gilt für jene, die Citytrips nach Madrid und Barcelona planen.
Die Metropolen buhlen in gesunder Konkurrenz um die Gunst der Besucher,
jede begeistert durch ihre eigene, unverwechselbare Art: Madrid mit dem
lockeren Open-Air-Ambiente um die Plaza Mayor und musealer Hochkultur
wie dem Prado, Barcelona mit einem Bummel über die Rambles und der
unvollendeten Sagrada Família des katalanischen Meisterarchitekten
Antoni Gaudí. Die gigantische Sühnekirche zählt ebenso zum
Weltkulturerbe der Unesco wie eine Reihe bekannter und weniger
bekannter Stätten, die sich kreuz und quer über das Land verteilen und
eigene Reisen wert sind: das Römerareal in Mérida, die Altstädte von
Cáceres und Toledo, Asturiens präromanische Kirchen, Segovia mit seinem
Aquädukt und das zerklüftete Goldminengebiet Las Médulas. Im
sonnendurchfluteten Süden geht Kunst- und Kulturliebhabern ohnehin das
Herz auf, als Magnet lockt Andalusiens maurisches Erbe. In Granada,
Córdoba und Sevilla berauscht man sich an einem märchenhaften Flair aus
Tausendundeiner Nacht.
Zwischen 711 und 1492 waren die orientalischen
Fremdlinge auf der Iberischen Halbinsel präsent - und in jener Zeit
wesentlich weiter entwickelt als die Spanier. Auch die stark bewehrten
Burgen von Almería und Jaén gehen auf die Mauren zurück, im
beeindruckenden Ronda stößt man zu altarabischen Bädern vor und betritt
inmitten des Kastells von Jerez de la Frontera die Reste einer Moschee.
Die
Qualität von Stränden und Meer ist landesweit - von unrühmlichen
Ausnahmen abgesehen - oft gut bis exzellent und wird von der
europäischen Umweltstiftung alljährlich mit Hunderten von Blauen
Flaggen ausgezeichnet. In diesen Genuss kommen vor allem viele Strände
des Atlantiks, der eine steigende Zahl von Besuchern begeistert. Statt
sommerlich überfüllter »Badewanne Mittelmeer« geben manche den kühleren
Temperaturen und dem raueren Umfeld des Nordens den Vorzug. Mit dem
Vorteil, im küstennahen Hinterland in die wildromantischen
Hochgebirgswelten der Picos de Europa oder in die Pyrenäen und
Schutzgebiete wie den Parque Nacional de Ordesa y Monte Perdido und den
Parque Nacional Aigüestortes abtauchen zu können. Kulturelle
Alternative: das Guggenheim-Museum in Bilbao mit seiner silbrig
schimmernden Hülle aus Titan.
Kontraste über Kontraste,
Berge über Berge. Nicht nur im hohen Norden werfen sich imposante
Gebirgsbuckel auf. Mit einer Durchschnittshöhe von 650 m nimmt Spanien
europaweit Platz zwei hinter der Schweiz ein. Im Zentrum breitet sich
die Hochebene aus, die Meseta, im Norden Andalusiens wellen sich
Olivenbaumhaine über die Hänge, weiter südlich kratzt die Sierra Nevada
mit 3478 m an den Wolken. Im Winter setzt die Sierra weithin sichtbare
Schneekränze auf und lockt von Dezember bis Februar Skisportfreunde an.
Gen Osten gleiten die Berge ins Meer ab und gehen bei Almería in ein
rotbraunes Halbwüstenszenario mit spärlichem Büschelbewuchs und Kakteen
über - eine ideale Westernkulisse, durch die schon Leinwandstars wie
Burt Lancaster und Clint Eastwood geprescht sind.
Spanien
liege da wie ein Kontinent, der an Europa hängt und Europa nicht ist,
hat der niederländische Romancier Cees Nooteboom einmal gesagt. Seit
wenigen Jahren verzeichnet das Land einen riesigen Wirtschaftsboom und
ist seit 2002 währungspolitisches Euroland - doch immer noch liegen
Welten zwischen Spanien und Zentraleuropa. Nicht nur mit Blick auf das
soziale System, das an allen Fronten leidlich hinterherhinkt. In den
Arenen befördert man unverändert Stiere ins Jenseits, tritt zu wilden
Tomaten- und Weinschlachten an, schützt die Siesta wie eine heilige Kuh
und hält an der Zauberformel des ewigen mañana fest. Traditionen,
kultiviertes Chaos, ein Schuss Exotik: All dies gibt dem Land seine
besondere Note.
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