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Entdecken Sie Yucatán!
Kaum ein mexikanisches Ferienziel ist bei europäischen Besuchern so beliebt wie Cancún auf der Halbinsel Yucatán
Über
Florida verliert das Flugzeug an Höhe und beginnt bald darauf den
Landeanflug auf Cancún. Palmenhaine und türkis glitzerndes Meer, weiße
Strände und kleine Siedlungen rücken ins Blickfeld. Bienvenidos en
Yucatán, willkommen in Yucatán! Schon der Name der Halbinsel zwischen
dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer weckt Assoziationen an
Exotik und Ferienfreuden. Tatsächlich gehört die flache Halbinsel neben
Acapulco und der Pazifikküste zu den bekanntesten Urlaubszielen des
Landes. In Cancún, auf einer schmalen Landzunge zwischen der Lagune
Nichupté und der Karibik, wird der Traum von einem Leben in steter
Sonne und unter Palmen Realität: Die Hotels sind luxuriös, die breiten
Strände weiß, feinsandig und von Palmen bestanden, das Meer glitzert in
allen Schattierungen zwischen Türkis und Dunkelblau.
Von
Cancún bis ins 130 km entfernte Tulum erstreckt sich die Riviera Maya:
Badebuchten und -orte reihen sich aneinander, dazu locken zahlreiche
Natur- und Nationalparks, in denen Tagesausflügler einen ersten
Eindruck von Yucatáns Natur bekommen und zwischen prächtigen
Fischschwärmen schnorcheln können. In Xcaret wie Xel-Ha bekommt man
Meeresschildkröten zu sehen, Delphine und die großartigen Arapapageien,
die noch immer die mittelamerikanischen Regenwälder bevölkern.
Viele
Hotels greifen die traditionelle, landestypische Architektur auf: Die
Gebäude sind selten höher als eine Palme, die Restaurants untergebracht
auf offenen, mit Palmblättern gedeckten, hölzernen Terrassen. Mit
natürlichen Materialien gebaute und in die Landschaft integrierte
Hotels oder im spanischen Stil errichtete Gebäude unter Palmen lösen
zunehmend die Betonbauten ab.
In Playa del Carmen fühlen
sich junge Individualreisende wie Pauschalurlauber gleichermaßen wohl.
In der 5a Avenida pulsiert das touristische Leben bis in die frühen
Morgenstunden. Franzosen, Italiener, Deutsche und US-Besucher - in
Playa del Carmen trifft sich eine internationale Szene.
Bob-Marley-Klänge ertönen jeden Abend: Unmittelbar am Traumstrand
liegen Diskotheken, und wird es drinnen zu voll, weichen die Gäste in
den Sand aus und tanzen barfuß unter dem Sternenhimmel weiter.
Die
nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Halbinsel ist
geologisch gesehen eine flache Kalksteinscheibe. Obwohl es kaum Quellen
und Flüsse gibt, herrscht kein Mangel an Wasser, denn im Karstsockel
sammeln sich seit Jahrtausenden Grund- und Regenwasser und bilden
unterirdische Ströme, Höhlen und Grotten. An manchen Stellen brach die
dünne Kalksteindecke ein - dort wurde das Wasserreservoir für Menschen
zugänglich. Cenotes nennt man in Yucatán diese natürlichen
Wasserstellen, also Karst- oder Dolinenbrunnen.
Die
Halbinsel ist groß: 140 000 km², doppelt so viel wie Bayern. So
verwundert es nicht, dass Sie neben Cancún und der Riviera Maya auch
noch ein ursprüngliches Mexiko entdecken können. Ein anderes Yucatán
erwartet Besucher schon auf der Isla Mujeres. Statt internationaler
Kettenhotels gibt es hier kleine Gästehäuser und Pensionen. Für wenige
Dollar kann man wohnen und essen. Abends trifft man sich zu einem
Corona-Bier in der Strandbar, und auf die Speisekarte kommt der Fang
des Tages.
Und auch jenseits der paradiesischen Strände,
der nach europäischen und US-amerikanischen Vorstellungen gestylten
Wohnwelten gibt es in Yucatán noch viel zu entdecken: Mexiko. Ein
riesiges, fremdes Land voller schwer verständlicher Rituale und
bizarrer Bräuche, laut und voller Leben, manchmal schmutzig und
anstrengend. In den Städten und Dörfern leben noch heute Maya, die
Nachkommen jenes präkolumbischen Volkes, das lange vor der Ankunft der
Spanier großartige bauliche Leistungen vollbrachte. Ein Volk, das stolz
ist auf die prächtigen Hinterlassenschaften seiner Vorfahren und das in
der Gegenwart mit seinen Traditionen lebt. Im Durchschnitt stellen
Indianer in Mexiko nur 20 Prozent der Bewohner, in Yucatán sind es 30.
Und Mestizen, also Nachkommen aus Verbindungen von Weißen und
Indianern, bilden das Gros der Bevölkerung.
Heute gehören
die Maya, einst die Herren des Landes, zu den Armen und
Benachteiligten. In Chiapas, Mexikos ärmstem Bundesstaat, kämpfen Maya
mit Rebellen gegen ungleiche Besitzverhältnisse und für ihre Rechte. Im
vergleichsweise wohlhabenden Yucatán gibt es heute keine ernsten
Spannungen zwischen Regierung und indígenas.
Nach wie vor
bewirtschaften die Menschen ihre Felder mit denselben Methoden wie ihre
Vorfahren. Frühmorgens werden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in
die Dörfer gebracht. Auf den Märkten verkaufen Maya ihre
Ernteerzeugnisse: Mangos, Papayas, Zwiebeln und Avocados.
Ein
Sprung hinüber nach Campeche am Golf von Mexiko: In der Kolonialstadt
an der Westküste der Halbinsel Yucatán herrscht mexikanischer Alltag
statt touristischer Betriebsamkeit. In den Cafés unter den Arkaden
serviert man für ein paar Pesos ein üppiges mexikanisches Frühstück.
Meterdicke Festungsmauern aus der Piratenepoche umschließen die
Altstadt.
Paläste der Kolonialzeit prägen das Gesicht von
Mérida, Yucatáns stilvoller Hauptstadt, seit der Gründung im Jahr 1542
kulturelles Zentrum der Halbinsel. Noch um 1900 verzeichnete Mérida
mehr Dollarmillionäre als Paris oder New York. Reich wurden die Bürger
durch den Anbau und den Handel mit Sisal. In den Boomjahren des »grünen
Goldes« von Yucatán entstanden prächtige Alleen und Stadtpaläste,
riesige Haciendas vor den Toren Méridas. Mit der Entdeckung der
Kunstfaser begann jedoch der Niedergang. Heute beherbergen viele
ehemalige Paläste der Sisalbarone Konsulate, Hotels und Museen, und
stillgelegte Haciendas wurden zu Luxuswohnanlagen umgebaut.
Entdecken
Sie Yucatán - das heißt vor allem, dass Sie viel unterwegs sein müssen,
um die Halbinsel in all ihrer Vielfalt kennen zu lernen. Keine leichte
Sache, denn die Hitze wirkt sich lähmend auf Aktivitäten aus. Die beste
Zeit ist der europäische Winter: In diesen Monaten ist das Klima für
Europäer gut verträglich, und am Meer sorgt eine stete Brise für
genügend Abkühlung.
In den Sommermonaten wird es dagegen
unerträglich schwül und heiß, und wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln
unterwegs sein will, wird bald kapitulieren. Im Landesinneren, bei den
Pyramidenstätten, scheint die Luft zu stehen, und nur am Swimmingpool
der Hotels und in den klimatisierten Zimmern ist es auszuhalten. Das
sollte man berücksichtigen, wenn man eine Reise nach Yucatán plant und
sich die lange (und nicht eben billige) Anreise auch lohnen soll.
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