|
Entdecken Sie Island!
Ein seltsames Gemisch aus Frost und Feuer, aus Bergen und Wüsten, Lava und Meer
Island
ist ein Land voller Gegensätze, Überraschungen und Geheimnisse. In
dieser archaischen Vulkanlandschaft fühlt man sich in die Urzeit der
Erdentstehung versetzt. Gefährlich dünn ist an manchen Stellen die
Erdkruste, und die brodelnden, dampfenden Löcher gewähren den Blick ins
Innere unseres immer noch glühenden Planeten. Doch was für die Menschen
im Mittelalter nur bedrohlich und fremd war, was sie sich als
Teufelswerk und Eingang zur Hölle erklärten, das wissen die Isländer
des 21. Jhs. trefflich zu nutzen. Die Lava dient als Baumaterial, die
Erdenergie wird in Strom umgewandelt, und das heiße Wasser wärmt Häuser
und Schwimmbäder. Die Isländer haben gelernt, auf dem Vulkan zu tanzen.
Lage
Nordatlantik.
Fläche
103.000 qkm.
Bevölkerungszahl
297.070 (2006).
Bevölkerungsdichte
3 pro qkm.
Hauptstadt
Reykjavík. Einwohner: 114.580 (2006).
Staatsform
Parlamentarische Republik seit 1944. Verfassung von 1944. Parlament (Althingi)
mit 63 Abgeordneten. Direktwahl des Staatsoberhauptes alle 4 Jahre.
Seit 1918 unabhängiges Königreich in Personalunion mit Dänemark, 1944
Ausrufung der Republik und Unabhängigkeit von Dänemark.
Geographie
Island liegt im Nordatlantik in der Nähe des Polarkreises.
Zum Staatsgebiet gehören auch einige kleinere Inseln, die der Nord- und
Südküste vorgelagert sind. Die Landschaft ist wild und karg mit
Lavafeldern, rotem Schwefel, heißen Geysiren, grauen und weißen
Flüssen, Wasserfällen und grünen Tälern. Die Küste besteht aus
unzähligen Buchten und Fjorden. Das öde und menschenleere Hochplateau
im Landesinneren erinnert an eine Mondlandschaft, die ersten
amerikanischen Astronauten absolvierten hier ihr Trainingsprogramm. Ein
Großteil des Landes ist unbewohnt. Die Bevölkerung lebt an den Küsten,
in den Tälern und in den Ebenen im Südwesten und Südosten. Über die
Hälfte der Einwohner lebt im Umkreis von Reykjavík. In kaum einem
anderen Land der Welt gibt es so viele aktive Vulkane. Der berühmteste
und eindrucksvollste ist Hekla im Süden, der seit der Besiedlung
Islands 16-mal ausgebrochen ist. Im Mittelalter glaubten viele
Geistliche, dass er der Eingang zur Hölle sei. Am Krater des
Snaefellsjökull beginnt die Reise zum Mittelpunkt der Erde in Jules
Vernes berühmtem Roman. Der Vatnajökull (8500 qkm) ist der größte
Gletscher in Europa.
Sprache
Amtssprache ist Isländisch. Englisch, Dänisch oder Deutsch werden häufig gesprochen.
Religion
87,1% Lutheraner; 4,1% andere Protestanten; 1,7% Katholiken.
Der
Reichtum des Landes ist seine Natur, auf deren Basis die Menschen hier
leben. Neben der Energie sind es vor allem die Fischgründe innerhalb
der hart erkämpften 200-Meilen-Zone, die die wirtschaftliche Grundlage
darstellen, und die entsprechend sorgfältig befischt werden.
Vor
allem ist es die Vielfalt der Landschaften, die jährlich Tausende
Touristen anzieht. Im Süden finden Sie ausgedehnte Weiden mit breiten,
schwarzen Stränden, an denen sich die weiße Gischt der Wellen bricht,
und daneben riesige Gletscher, deren schwarz versandete Zungen fast bis
ans Meer reichen. Im Osten ragen die steilen Basaltplateaus empor, in
die sich tiefe Fjorde und enge Gebirgstäler gegraben haben. Im Norden
sehen Sie breite Täler und den längsten Fjord des Landes, den
Eyjafjörður. Der Nordwesten ist eine fjorddurchzogene Küstenlandschaft,
aus der sich die Menschen zurückgezogen haben. Noch heute kommt es dort
während der harten Winter häufig zu Lawinen, die im günstigsten Fall
nur die Straße versperren. Das Hochland ist eine weite Lava-und
Geröllwüste, eine lebensabweisende und unbelebte Mondlandschaft mit
einsam dastehenden Bergen und Gebirgen. Dazu kommen Hunderte von
Wasserfällen: versteckt, donnernd, mächtig und schön, manche mit
Geschichten und andere so klein, dass Sie vielleicht der Erste sind,
der sie entdeckt. All das ist vereint auf einer Insel, kaum größer als
die Schweiz, deren nächste Nachbarn Grönland (300 km) und die
Färöer-Inseln (500 km) sind.
Die Isländer lieben ihre
Insel mit der phantastischen Natur, die sie genauso geprägt hat wie
ihre Herkunft und Geschichte. Noch immer fühlen sie sich als echte
Nachfahren der Wikinger, die von Norwegen kamen, um hier unabhängig und
frei vom damaligen König zu siedeln. Die ersten Versuche scheiterten,
zu unwirtlich und eisig erschien dem Norweger Flóki 865 das Land, dem
er den Namen Island (Eisland) gab; er landete damals im Nordwesten und
blieb nur einen Winter. Doch schon zehn Jahre später wurde die Insel
dauerhaft besiedelt. Über 300 Jahre währte diese »goldene Zeit«, wie
die Isländer sie heute noch nennen, in der das Land eine kulturelle
Blüte erlebte. Viele Ereignisse der Besiedlungszeit haben Eingang in
die Sagas gefunden, Islands nationales Kulturgut. Mit Stolz verweisen
viele Isländer darauf, dass sie die mittelalterlichen Texte noch im
Original lesen können.
Nach 1262 begannen finsterere
Zeiten. Zunächst gehörte Island zu Norwegen, danach kam es unter die
dänische Krone. Der freie Handel wurde eingeschränkt, die staatliche
sowie die rechtliche Selbstbestimmung verschwanden, und etliche
Naturkatastrophen verwüsteten das Land und vernichteten Mensch und
Vieh. Hungersnöte, Epidemien und tiefste Armut, wie sie der isländische
Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness in seinem Roman
»Islandglocke« schildert, waren die Folgen. Das kulturelle Leben kam
zum Stillstand. Diese Zeiten prägten noch lange das Verhältnis der
Isländer zu den Dänen, die sie als Kolonialmacht erlebten. Doch in
einem fast 100 Jahre dauernden Kampf um Selbstständigkeit gelang es
ihnen, diese - endlich - 1944 zu erlangen.
Während die
anderen europäischen Länder unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen
Folgen litten, profitierte Island in mehrfacher Hinsicht von ihm. Vor
allem die amerikanische Besatzung ermöglichte einen rapiden Aufbau der
Infrastruktur des Landes in den 40er- Jahren. Die Ringstraße und der
internationale Flughafen wurden gebaut, und Reykjavík wuchs, denn für
diese Projekte brauchte man Arbeitskräfte. Zudem hatte über die
Jahrzehnte bereits eine Verschiebung von der Landwirtschaft zur
Fischindustrie stattgefunden, was das Wachsen der Orte beförderte.
Problematisch wurde das Verhältnis zwischen Amerikanern und Isländern,
als die amerikanischen Truppen 1946 Keflavík als Stützpunkt erhielten.
Die Furcht vor einer neuen Kolonialzeit war damals groß, aber zugleich
ermöglichten die Amerikaner den Sprung in die Neuzeit mit Musik, Autos
und Lebensgefühl. Einige Isländer meinen, ihr Volk sei so vom
Mittelalter in die Neuzeit katapultiert worden.
Island ist
ein modernes Land, und schon manche Reisende waren enttäuscht, dass die
Menschen nicht mehr in kleinen Grassodenhäusern leben, sondern in
mehrstöckigen Betonhäusern - ein erdbebenfestes Material. Die
Architekten verwenden heute häufig isländische Materialien, wie es
besonders gut an der »Blauen Lagune« zu sehen ist, einem Lavagebäude in
der Lava.
Typisch für isländische Künstler ist ihre tiefe
Verwurzelung in ihrem Land und seiner Natur. So nutzen auch Designer
gerne die heimischen Materialien, alle Arten Gestein, aber auch
Walknochen, Fischhaut oder Treibholz, das besonders zahlreich an die
Küsten im Norden und Nordwesten angetrieben wird. Für einige Designer
ist - nicht überraschend - das Thema Licht ganz zentral: Im Sommer gibt
es drei helle Monate, in denen kaum jemand zu schlafen scheint und
viele bis Mitternacht draußen arbeiten. Während der langen Winternächte
kann man das faszinierende Schauspiel der tanzenden, schwingenden
Nordlichter erleben - magisch, mythisch und verzaubernd. In der Musik
spielen oft Naturgeräusche eine Rolle. Der erste große isländische
Komponist des 20. Jhs., Jón Leifs, komponierte so eindrückliche Werke
wie »Geysir« oder »Hekla«. Die bildende Kunst ist ganz stark von der
eigenen Natur und Geschichte beeinflusst, wie Sie gut in den Museen von
Reykjavík sehen können.
Diese junge und lebendige Kultur
macht Island zu einem faszinierenden Land. Doch es ist die
überwältigende Natur, deren großer Zauber schon manche Reisende so sehr
in den Bann gezogen hat, dass sie immer wieder kommen.
|