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Entdecken Sie Griechenland!
Die Wiege der europäischen Kultur bietet abseits gängiger Ziele viel Entdeckenswertes
Endlich
Urlaub in Griechenland! Die einen freuen sich auf Sonne, Sirtáki und
Strand, die anderen auf Theater, Tempel und Museen. Die Vorfreude ist
berechtigt, denn das alles hat Griechenland zu bieten - und noch viel
mehr. Mich begeistert allerdings die Landschaft am meisten.
Das
Land, das Goethe mit der Seele suchte und für das Lord Byron sein Leben
gab, ist eins der schönsten und abwechslungsreichsten Europas. Wer es
durchquert, erlebt keine Stunde, in der nicht zumindest in der Ferne
hohe Berge aufsteigen. Griechenland wird von endlos scheinenden
Gebirgsketten durchzogen, von denen viele über 2000 m hoch sind. Ihre
spärlich bewachsenen Hänge und Hochebenen sind wie vor Jahrtausenden
das Reich der Hirten mit ihren Schafen und Ziegen.
Lage
Südosteuropa.
Fläche
131.940 qkm.
Bevölkerungszahl
11.275.420 (2006).
Bevölkerungsdichte
85 pro qkm.
Hauptstadt
Athen. Einwohner: 725.050 (2006).
Staatsform
Parlamentarische Republik seit 1973. Verfassung von 1975, letzte Änderung 2001. Einkammerparlament (Vouli ton Ellinon) mit 300 Abgeordneten. Unabhängig seit 1829 (früherer Teil des Ottomanischen Reiches). Griechenland ist EU-Mitglied.
Geographie
Griechenland liegt am Mittelmeer und grenzt im Norden an
Albanien, die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien und Bulgarien
und im Nordosten an die Türkei. Der östliche Teil Griechenlands liegt
im Ägäischen Meer, der westliche Teil im Ionischen Meer. Das Festland
besteht aus folgenden Regionen: Zentralgriechenland, Attika (Region um
Athen), Peloponnes (»Hand« von Griechenland), Thessalien (Mitte/Osten),
Epirus (Westen), Makedonien (Norden/Nordwesten) und Thrakien
(Nordosten). Euböa, die zweitgrößte Insel, liegt östlich von Attika.
Die Peloponnesische Halbinsel ist durch den Golf von Korinth vom
Festland getrennt. Im Süden der Halbinsel (bei Kap Tainaro) befindet
sich die tiefste Stelle des Mittelmeeres mit 5015 m. Im Norden
verlaufen zahlreiche Bergketten (wie das Pindus-Gebirge) von Nord nach
Süd. Zu den höchsten Bergen Griechenlands gehören u. a. der Olymp (2917
m) und der Smolikas (2637 m). Kretas höchster Berg ist der Ida mit 2456
m.
Die Inseln nehmen ca. 20% der Landfläche ein. Die meisten liegen
in der Ägäis zwischen der griechischen und türkischen Küste. Die Sieben
oder Ionischen Inseln sind der Westküste vorgelagert. Zu den Ägäischen
Inseln gehören die Dodekanes vor der türkischen Küste; die bekannteste
ist Rhodos. Die Inselgruppe in der nordöstlichen Ägäis besteht aus
Limnos, Lesbos, Chios, Samos und Ikaria. Die Sporaden liegen vor der
Küste des zentralen Festlandes. Die Kykladen bestehen aus 39 Inseln,
von denen 24 bewohnt sind. Kreta im Süden ist die größte griechische
Insel.
Sprache
Neugriechisch (Demotiki). Vor allem in Urlaubsgegenden wird Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch gesprochen.
Religion
98% griechisch-orthodox; muslimische (1,3%), jüdische, protestantische und katholische Minderheiten.
Einige
Berge sind eng mit der Mythologie verwoben. Auf dem Olymp (2917 m)
hielten Zeus und die anderen elf olympischen Götter bei Nektar und
Ambrosia ihre Ratsversammlungen ab; an den Hängen des Parnass (2458 m)
tummelte sich der Wein- und Fruchtbarkeitsgott Dionysos mit seinem
ausgelassenen Gefolge bei orgiastischen Vergnügungen. Heute laufen die
Griechen in den Gebirgen im Winter Ski; im Sommer sind die
Berglandschaften Ziel für Wanderer und Ruhe suchende Feriengäste.
Immer
wieder durchbrochen wird die Bergwelt von grandiosen Schluchten oder
kleinen und großen Ebenen, in denen Getreide und Mais, Baumwolle und
Tabak wachsen. Vor allem im Norden sind die Flussmündungen wichtige
europäische Vogelparadiese. Griechenlands Küsten sind über 15000 km
lang, 4000 davon entfallen aufs Festland. Unzugängliche Steilküsten,
manchmal durchsetzt mit nur von See her erreichbaren Strandbuchten,
wechseln mit langen Sand- und Kiesstreifen ab, an denen sich buntes
Badeleben entfaltet. Von den meisten dieser Strände aus sind aber
wiederum die hohen Berge zu sehen, viele von Dezember bis in den Mai
hinein schneebedeckt. Wasser und Land durchdringen sich in Hellas; man
fühlt sich oft am Meer und im Gebirge zugleich.
Ein Fünftel
Griechenlands machen seine Inseln aus. Fast einhundert sind ständig
bewohnt. Auf Kreta, der größten, lebt eine halbe Million Menschen, auf
einigen der kleinsten sind es noch nicht einmal einhundert. Auch wer
seinen Urlaub auf dem griechischen Festland geplant hat, kann einige
Inseln besuchen. Nach Léfkas und Euböa führen Brücken, andere Inseln,
wie Ägina, Póros und Hydra, sind bequem auf Tagestouren zu erreichen.
Die
Griechen sind das älteste Kulturvolk Europas. Politiker, Dichter und
Philosophen des antiken Griechenland haben die Grundlagen des
europäischen Denkens geschaffen. Alle Epochen der über 5000-jährigen
Geschichte Griechenlands haben im Land mehr oder minder deutliche
Spuren hinterlassen. In den Ausgrabungsstätten stammen weit mehr Mauern
und Säulen aus hellenistischer und römischer Zeit als aus dem
klassischen Hellas. Oft sind sie auch mit frühchristlichen Monumenten
überbaut; bereits der Apostel Paulus hatte ja die ersten christlichen
Gemeinden auf europäischem Boden in Griechenland begründet.
Byzantinische Kirchen und Klöster schließlich übertreffen die Zahl
antiker Stätten bei weitem. Nur von den Türken gibt es wenige
architektonische Spuren, auch, weil die Griechen viele von ihnen nach
der Befreiung wütend zerstörten.
Dafür ist der 500-jährige Einfluss der
Türken auf vielen anderen Gebieten nicht zu übersehen. Die griechische
und die türkische Küche ähneln sich sehr. Typisch griechische Musik
klingt nicht wie Sirtáki, sondern hört sich für unsere Ohren oft wie
türkische Musik an. Die historischen Trachten erinnern an die Kleidung,
die auch anderswo im Osmanischen Reich getragen wurde. Und selbst in
die Sprache sind türkische Wörter eingegangen. Es gibt freilich nicht
wenige Stimmen, die meinen, dass die Türken all das, was sich in beiden
Kulturen ähnelt, von den Griechen übernommen hätten oder dass es
gemeinsame Wurzeln in Byzanz habe. Darüber mag jeder denken, wie er
will.
Nur ungern sprechen die Griechen laut über eine
andere Folge ihrer so bewegten Geschichte: die ethnischen Minderheiten,
die in Hellas leben. Urlaubern fallen mit Sicherheit die vielen Roma
auf. Sie fahren mit großen und kleinen Lastwagen durchs ganze Land,
verkaufen Melonen und Eier, Teppiche, Haushaltswaren und Plastikstühle.
Große Zeltlager der Roma sind häufig an den Stadträndern zu sehen. Die
meisten Roma sprechen Griechisch, einige haben Türkisch als
Muttersprache. Im Nordosten Griechenlands, insbesondere in Thrakien,
leben noch viele sunnitische Moslems. Im Landkreis Xánthi sind es
überwiegend Pomaken, deren Muttersprache Bulgarisch ist. Sie sind an
ihrer ausgesprochen bunten Kleidung zu erkennen. Im übrigen Thrakien
sind die Moslems vorwiegend Türken. Sie haben ihre eigenen Schulen, an
denen Griechisch jedoch Pflichtfach ist.
Juden stellten
bis zum Zweiten Weltkrieg eine kulturell und wirtschaftlich bedeutende,
vor allem in Thessaloníki lebende Volksgruppe. Beim Abzug der Deutschen
lebten von den ehemals 77 000 griechischen Juden nur noch 10 000, die
meisten waren in Konzentrationslagern ermordet worden. Heute wohnen
noch etwa 6000 Juden in Hellas.
Seit dem Zusammenbruch der
sozialistischen Staatenwelt Ende der 1980er-Jahre strömen
Hunderttausende von Albanern ins Land. Manche sind eindeutig
griechischer Abstammung und dürfen deshalb bleiben. Die meisten aber
kommen illegal über die Grenze. Sie verdingen sich vor allem als
wandernde Landarbeiter und auf dem Bau.
Weiteren Zuzug
erhält Griechenland durch Griechen von der ehemals sowjetischen
Schwarzmeerküste. Diese Pontosgriechen kommen legal. Man sieht sie in
jeder Stadt und fast jedem Dorf als Flohmarkthändler, die mitgebrachten
Kleinkram wie beispielsweise russische Zigaretten, russisches Werkzeug
und russische Spielsachen, Samoware und Tischdecken am Straßenrand
feilbieten. Trotz all dieser Minderheiten fühlen sich die Griechen mehr
denn je als ein Volk. Separatistische Bestrebungen wie in Spanien,
Frankreich oder gar im ehemaligen Ostblock gibt es nicht.
Als
Europäer fühlen sich die Griechen dabei nur ganz am Rand. Reisenden
fallen die häufigen Schilder mit den 15 Sternen der Europaflagge auf.
Sie geben bekannt, mit welcher Summe die Europäische Union ein
Straßenbauprojekt oder eine Sanierungsmaßnahme, einen Hafenausbau oder
eine neue Kanalisation bezuschusst. Die meisten Griechen aber gehen
immer noch davon aus, dass ihr Land der sechste Kontinent ist - anders
als der Rest der Welt. Sie schätzen es, dass Europa ihnen den Wegfall
vieler Zölle brachte, Haushaltsgeräte und vor allem Autos billiger
machte. Sie hassen aber die vielen Brüsseler Vorschriften, die ihren
Gewohnheiten und ihrer Mentalität widersprechen.
Die
meisten Griechen möchten unbedingt ihre Eigenarten bewahren. Davon
haben sie wahrlich genug. Die Urlauber plagen sich mit der griechischen
Schrift ab. Sie bemerken selbst im Straßenbild, dass sie in einem
orthodoxen Land reisen. Überall fällt auf, dass sich die griechische
Folklore weit besser gegen angloamerikanische Einflüsse behaupten kann
als das Brauchtum anderswo in Europa.
Die Griechen halten
an ihrem Lebensrhythmus fest. Der Tag ist viergeteilt. Von morgens früh
bis mittags wird gearbeitet. Dann folgt eine lange Siesta; Nachmittag
nennt man die Zeit nach 17 Uhr. Der Abend beginnt mit dem Abendessen
gegen 21 oder 22 Uhr; Nachtlokale machen meist erst gegen 23 Uhr auf
und präsentieren beste Stimmung selten vor Mitternacht. Vorher geht
auch kaum jemand schlafen. Auch die Lebensziele sind andere als in
Mitteleuropa. Die Arbeit ist kein Selbstzweck, ein Wort für Beruf gibt
es im Griechischen nicht. Man fragt »welche Arbeit machst du«, nicht
»welchen Beruf hast du«. Die Arbeit dient dem Lebensunterhalt und dem
Kauf von Statussymbolen, vor allem aber dem Erwerb von Immobilien. Die
gewährleisten den Menschen die soziale Absicherung, die ein
mangelhaftes staatliches Sozialversicherungssystem nicht zu geben
vermag. Um diese Sicherheit zu erwerben, wandern Griechen schon seit
Jahrhunderten von Inseln und Dörfern in die Städte ab oder emigrieren
ins Ausland. Den Lebensabend jedoch wollen sie im Heimatdorf
verbringen, und liegt es noch so weltabgeschieden in den Bergen.
Deswegen sieht man so viele Dörfer, die außerhalb der Hochsommermonate
fast menschenleer scheinen, in denen aber prächtige Häuser stehen:
vorausplanend gebaute Altersruhesitze. Gerade in solchen Dörfern erlebt
man als Urlauber oft die schönsten Stunden. Abseits der Strände und
Touristenzentren sind Fremde noch Gäste, die man neugierig betrachtet.
Wer sich nicht wie ein Jäger auf Fotosafari verhält, sondern sich mit
Muße für einige Zeit im Kaffeehaus niederlässt, wird bald nach Woher
und Wohin, Kinderzahl, Arbeit, Heimatland und Reisezweck gefragt. Oft
findet sich ein Einheimischer, der die Muttersprache der Gäste oder ein
wenig Englisch beherrscht, ein Gespräch entwickelt sich. Dann zeigt
sich auch die Gastfreundlichkeit der Griechen, die in den
Touristenzentren nicht mehr so leicht wie früher zu finden ist.
Unmerklich wird der Kaffee der Fremden von Einheimischen bezahlt, den
Kindern ganz selbstverständlich eine Limonade spendiert.
Von
den Highways des Massentourismus abzuweichen ist ohnehin der beste
Tipp, den ich Reisenden mit auf den Weg geben kann. Es gibt Kirchen und
Klöster, Museen und archäologische Stätten, Landschaften und Dörfer,
die man gesehen haben muss. Nicht minder reizvoll ist ein Besuch der
unbekannteren Schönheiten, auf die in diesem Reiseführer auch
hingewiesen wird. Darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl von Orten,
die nichts Besonderes zu bieten haben - und die Ihnen dennoch besonders
in Erinnerung bleiben werden, weil Sie sie selbst entdeckt haben.
Kreuz
und quer durch Griechenland zu reisen ist kein Problem. In vielen
griechischen Dörfern stecken die Hausschlüssel außen in der Tür,
außerhalb der Städte bleiben die Wagen meist unabgeschlossen. Die
Kriminalitätsrate ist ausgesprochen niedrig; die Händler sind nur in
wenigen Touristenzentren aufdringlich, Bettler gibt es fast nur in
Athen. Sprachprobleme lassen sich immer irgendwie lösen, und
hilfsbereit sind die Griechen allemal: Wer nach dem Weg fragt, wird oft
ein Stück weit begleitet. Unterkünfte gibt es fast überall, weil sich
viele Griechen durch Zimmervermietung ein Zubrot verdienen.
Eines
allerdings ist in Griechenland schwierig: korrekte Antworten auf Fragen
zu bekommen, die sich nicht auf den gegenwärtigen Aufenthaltsort selbst
beziehen. Im Ort A kennt niemand den Busfahrplan von Ort B; 20 km
abseits des Fährhafens weiß niemand, wann dort die Schiffe ankommen und
abfahren. Die Griechen denken, gefördert durch Geografie und
Geschichte, weiterhin kleinräumig. Schließlich sind viele Landschaften
noch immer durch Berge von der Außenwelt getrennt, und schließlich
zählt das Wohl der eigenen Gemeinde wie im alten Hellas noch immer mehr
als das des Staats.
Der nämlich hat es schwer im heutigen
Griechenland. Die griechische Nation wird in Ehren gehalten und im
Notfall begeistert verteidigt, doch der Staat nur als lästig empfunden.
Er schluckt Steuern und Zölle, ohne viel dafür zu geben. Er versucht
durch immer neue Gesetze und Ausführungsbestimmungen das Leben des
Einzelnen zu reglementieren - und stört damit die Kreise der Griechen,
die eines vor allem sein wollen: Individualisten. Mehr als durch
Gesetze werden sie noch immer vom eigenen philótimo, dem Ehrgefühl,
gelenkt.
Daran sollten auch die Urlauber denken, wenn sie
wirklich einmal Grund haben, sich zu beklagen. Mit Drohungen,
Beschimpfungen und gesteigerter Lautstärke wird man nie etwas
erreichen. Die Aussicht auf den Erfolg einer Beschwerde ist viel
größer, wenn man einen Griechen bei seiner Ehre packt. Er hat keinen
Fehler gemacht, doch man braucht ganz einfach seine Hilfe. Schließlich
ist er ja klug, gewitzt und stark genug, um etwas verändern zu können...
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