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Entdecken Sie Bulgarien!
Prächtige Gebirge, weiße Strände und Kulturvielfalt zwischen Orient und Okzident
Sand,
Meer und Beton - das ist das Bild Bulgariens in den Reisekatalogen,
namentlich das Bild der Schwarzmeerküste. Wer diese erlebt hat, kennt
tatsächlich einen schönen und wichtigen Teil des Landes. Wer aber nur
auf den touristischen Pfaden verharrt, dem wird viel Sehenswertes
entgehen.
Lage
Südosteuropa.
Fläche
110.994 qkm.
Bevölkerungszahl
7.717.190 (2006)
Bevölkerungsdichte
70 pro qkm.
Hauptstadt
Sofia. Einwohner: 1.166.140 (2006)
Staatsform
Parlamentarische Republik, seit 1990. Verfassung von 1991.
Einkammerparlament mit 240 Sitzen; Legislaturperiode von 4
Jahren. Direktwahl des Staatsoberhauptes alle 4 Jahre. Unabhängig seit
1878 (Ausgliederung aus dem Osmanischen Reich), Fürstentum Bulgarien
(zunächst Haus Battenberg), seit 1887 Haus Sachsen-Coburg, 1908 - 1944
Königreich Bulgarien. Bulgarien ist EU-Mitglied.
Geographie
Bulgarien grenzt im Norden an die Donau und Rumänien, im
Osten an das Schwarze Meer, im Süden an die Türkei und Griechenland und
im Westen an Serbien und an Mazedonien. Die Berge des Balkans
durchziehen das Land bis hin zu den Stränden am Schwarzen Meer.
Bulgarien ist ein fruchtbares Agrarland mit dichten Wäldern und
zahlreichen Flüssen. Obwohl das Land im Südosten Europas liegt, gibt es
selbst in Thrakien keine extremen Sommertemperaturen.
Sprache
Amtssprache ist Bulgarisch. Vor allem in den Urlaubsorten
wird auch Deutsch, Englisch, Französisch oder Russisch gesprochen. Es
gibt türkisch- und mazedonisch-sprechende Minderheiten.
Religion
Orthodoxes Christentum (82,6 %); muslimische (12,2 %),
römisch-katholische (1,7 %), protestantische und jüdische (0,1 %)
Glaubensgemeinschaften.
Bulgarien ist natur- und kulturgeografisch ein
Übergangsland zwischen Orient und Europa, was auch seine Geschichte und
seine Gesellschaft mit geprägt hat. In dieser Übergangslage, die das
Land in guten Zeiten zum Bindeglied machte, wurde Bulgarien zu einem
bunten Sammelbecken unterschiedlicher kultureller und
gesellschaftlicher Erscheinungen.
Die Natur hat es
offensichtlich gut gemeint mit Bulgarien. Von Gebirgen durchzogen,
dicht bewaldet und seenreich, dazu noch eine 378 km lange Meeresküste -
ein nicht eben übermäßig großes Territorium von etwas mehr als 110 000
km², also weniger als ein Drittel Deutschlands, ist in reichem Maß mit
landschaftlicher Schönheit und Vielfalt beschenkt worden. So hat es für
ganz unterschiedliche Vorlieben etwas anzubieten, für Wasserratten oder
Skifahrer ebenso wie für diejenigen, die einsam gelegene Gebirgsseen
suchen, über dicht bewaldete Hänge von Dorf zu Dorf wandern oder sich
einfach die Täler erradeln wollen.
Touristisch bekannt und
berühmt wurde das Land vor allem durch die Schwarzmeerküste. Der etwas
rauere, karge, felsige Norden, die großen Seebäder in und um Varna mit
dem feinkörnigen Sand des Goldstrands bis hin zu den südlichen
Küstenregionen, wo an den Ausläufern des Balkans die üppigen Weinberge
fast bis ans Meer reichen. Das Land ist abhängig vom Tourismus und
passt sich immer mehr an westliche Standards an.
Bunt ist
das Leben an der Küste, vor allem im Sommer. Es entstehen Kneipen und
Bars, die wahrscheinlich nur für eine Saison bestehen werden, in denen
dafür aber umso ausgiebiger gefeiert wird. Doch trotz aller
»Ballermann«-Ähnlichkeiten, die man in den großen Hotelburgen durchaus
finden kann, legen die Bulgaren immer und überall Wert auf ihre
Geschichte und Kultur. Besucher erleben wahrscheinlich kaum ein
Gespräch mit einem Einheimischen, in dem sie nicht auf das »Joch«, die
fast 500-jährige osmanische Fremdherrschaft, hingewiesen werden. Eine
eigenständige bulgarische Geschichte und Kultur findet oder fand in
Bulgarien vor dem 15. und ab Mitte des 19. Jhs. statt. In einer
eigenwilligen historischen Interpretation beruft man sich auf die
großen Zarenreiche und die Bewegung der »Nationalen Wiedergeburt«,
wobei vor allem Letztere eindrucksvolle kulturelle Denkmäler im Land
hinterlassen hat.
Allein eine Reise wert sind die
weltberühmten Klöster und der Kreis der Museumsstädte, eine Reihe von
Ortschaften, die unter Denkmalschutz stehen. Die bulgarischen Klöster
sind Ausdruck einer einzigartigen Verbindung von Natur, Kultur,
Religion und Geschichte. Ihre Funktion ging schon immer über das
Kirchlich-Religiöse hinaus. Nicht nur das slawische Alphabet -
Grundlage der kyrillischen Schrift -, auch bedeutende Schulen der
Literatur, Architektur, der bildenden Künste haben ihren Ursprung in
den Klöstern. So wandern Besucher beim Rundgang durch die Klöster en
passant durch neun Jahrhunderte geistiger, politischer und kultureller
Geschichte Bulgariens. Mehrere Klöster bieten auch
Übernachtungs-möglichkeiten, die Sie unbedingt einmal nutzen sollten.
Das
zweite Prunkstück im Kulturangebot des Landes führt in die Zeit der
»Nationalen Wiedergeburt«. Man stößt fast überall im Land auf ein
restauriertes Haus des 19. Jhs. In einigen Regionen finden sich ganze
Ortschaften unter Denkmalschutz, vor allem in Zentralbulgarien. In der
Gegend um Veliko Târnovo beispielsweise, wo vor allem das Händlerdorf
Arbanasi (17. Jh.) hervorzuheben ist, oder Koprivštica, ein malerisches
Dorf zwischen Sofia und Plovdiv, bis hin zu wahren Perlen der
Holzbaukunst der Wiedergeburtsarchitektur in Nesebâr und Sozopol am
Schwarzen Meer.
Nicht zu vergessen ist die Landschaft.
Schließlich gibt der Balkan - das Wort stammt aus dem Türkischen und
bedeutet »bewaldeter Berg« - einer ganzen Region seinen Namen. Neben
dessen Höhenzügen, die das Land von West nach Ost durchziehen, bieten
sich vor allem die hohen Gipfel des Rila-Gebirges im Südwesten sowie
die Rhodopen im Süden zu ausgedehnten Wanderungen, aber auch
Klettertouren an. So ist es kein Wunder, dass das relativ kleine
Bulgarien immerhin neun Stätten beherbergt, die von der Unesco in die
Liste des Welterbes aufgenommen wurden: das Rila-Kloster, Nesebâr, das
Grabmal von Kazanlâk, das thrakische Grabmal von Sveštari, der Reiter
von Madara, die Kirche von Bojana, das Höhlenkloster bei Ivanovo, der
Pirin-Nationalpark und das Naturreservat Srebârna.
Neben
all diesen Schätzen lassen sich jedoch die Probleme des Landes nicht
verbergen. Wie viele osteuropäische Länder hat auch Bulgarien mit hohen
Arbeitslosenzahlen, fehlenden Absatzmärkten, nicht konkurrenzfähigen
Produkten, einer riesigen Schattenwirtschaft und der wachsenden Armut
zu kämpfen. Die Menschen tun dies mit noch stärkerer Festigung der
Familienbande, die oft die finanziellen Nöte einzelner lindern helfen,
und mit phantasievoller Improvisation, dem Zauberwort auf dem Balkan.
Da wird dann die Garage zur Champignonzucht oder zum Hühnerstall
umfunktioniert, ganze Wohnblöcke vermieten ihre Garagen an fliegende
Händler, oder man setzt sich zum Wahrsagen an den Straßenrand oder
bietet die Dienste einer alten Waage zur Gewichtskontrolle an.
Dies
alles kann die ökonomische Lage vieler Menschen nicht auf Dauer
verbessern. Zahlreiche jüngere der rund 8 Mio. Bürger haben im
vergangenen Jahrzehnt Bulgarien verlassen, um sich irgend-wo im Westen
Europas oder in Übersee niederzulassen. Bedrückend für viele ist vor
allem der Umstand, dass auf kürzere Sicht keine große Hoffnung auf
spürbare Besserung besteht. Von den Politikern aller Richtungen sind
die meisten früher oder später sehr enttäuscht, was die regelmäßigen
Regierungswechsel bezeugen. Kein Wunder, wenn die Nöte der meisten
nicht geringer werden, während die Korruption blüht - egal, welche
Regierung gerade an der Macht ist. Neben den ökonomischen gibt es aber
auch immer deutlicher zu Tage tretende Umweltprobleme sowie Reibungen
zwischen den größten ethnischen Minderheiten im Land.
Die Roma gelten
größtenteils als Menschen dritter Klasse. Während sich die Jugend fast
bedingungslos an der westlichen Kultur orientiert, werden Rufe nach der
Zeit vor der Wende - die in Bulgarien so nie wirklich stattgefunden hat
- vor allem unter den Älteren immer lauter.
Doch allen
widrigen Umständen zum Trotz - sobald der Winter dem Land den Rücken
kehrt, was institutionalisiert zumeist am 1. März gefeiert wird, blühen
das Land und seine Menschen regelrecht auf. Die Sonne verbreitet
spürbaren Optimismus. Die hoch gerühmte bulgarische Geselligkeit
kriecht aus den Wohnzimmern auf die Straßen und in die zahlreichen
Lokale. Und die Gastfreundschaft scheint in diesem schönen Land sowieso
schier unerschöpflich zu sein. Entdecken auch Sie sie!
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